Wohnblicke

Das Wohnbauprojekt „Koloniegasse neu“ in Gratkorn und leistbares Wohnen – darüber spricht Joachim Egger von der „Leykam“ Gemeinnützige Wohn-, Bau- und Siedlungsgesellschaft m.b.H. im Interview.

Joachim Egger, „Leykam“ Gemeinnützige Wohn-, Bau- und Siedlungsgesellschaft m.b.H.

Im Portfolio der „Leykam“ finden sich viele Projekte – vom Bauvorhaben Koloniegasse bis hin zu einigen Wohnungen. Auf welches Projekt oder welchen Bau sind Sie derzeit besonders stolz?

Auf das Projekt „Koloniegasse neu“ in Gratkorn. Denn hier errichten wir neue Häuser mit Tiefgaragenabstellplätzen. Alles in allem ein gelungenes Projekt, bei dem es zuvor Substandardwohnungen gab.

Was macht dieses Projekt großartig?

Die bestehenden Bewohner des alten Objekts standen dem neuen Projekt positiv gegenüber. Wir hatten eine gute Übereinkunft und alle Bewohner sind in umliegende Häuser umgesiedelt.

Die Gemeinnützigen bauen für Familien ebenso wie für Studierende oder Senioren. Wo sehen Sie den größten Bedarf?

In den letzten Jahren mussten wir feststellen, dass freiwerdende Wohnungen mit einer Nutzfläche von rd. 80 m² sehr schwer vermietbar sind. Es sind eher Kleinwohnungen gefragt, welche barrierefrei und mit Lift ausgestattet sein sollten. Leistbares Wohnen ist für Einzelhaushalte nur im geförderten Bereich möglich, unabhängig davon, ob es sich um Senioren oder junge Leute handelt.

Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung werden immer wichtiger. Wie spielt das bei Ihnen in neue Projekte oder aber auch in die Verwaltung hinein?

Für das Projekt „Koloniegasse neu“ und das Bauvorhaben „St. Oswald 280 u. 280a“ in St. Oswald bei Plankenwarth mussten keine neuen Grundstücke erworben werden. Durch Abbruch bzw. Verdichtung konnten bestehende Flächen verwertet werden. Damit konnten wir den teils sehr hohen Grundstückspreisen ausweichen.


Dr. Klaus Feichtinger von der SG ELIN GmbH spricht über Wohnbauprojekte, den gemeinnützigen Wohnbau und Ressourcenschonung im Interview.

Dr. Klaus Feichtinger, Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft der ELIN GmbH

Dr. Klaus Feichtinger, Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft der ELIN GmbH
(Fotocredit: Parlamentsdirektion PHOTO SIMONIS)

Auf welches Projekt sind Sie derzeit besonders stolz?

Wir entwickeln gerade gemeinsam mit der SG Ennstal auf einem gemeinsam erworbenen Grundstück in Weiz ein Kombinationsprojekt aus Wohnbau, Büronutzung und einer betreuten Wohngemeinschaft im ersten Bauabschnitt sowie Wohnbau, Forschung und Bildung in einem zweiten Bauabschnitt.

Was macht dieses Projekt großartig?

Es sollen neben den üblichen Anforderungen an den geförderten Wohnbau Schwerpunkte im Bereich Smart City und Green Building bzw. im Rahmen eines gemeinsamen Mobilitätskonzepts auch im Bereich sanfter Mobilität umgesetzt werden.

Die zentrale Lage des Grundstücks in der Stadt und das in Zukunft zur Verfügung stehende infrastrukturelle Umfeld soll neben einem hohen Wohnkomfort auch die Vermeidung von Kurzstreckenfahrten ermöglichen.

Die Gemeinnützigen bauen für Familien ebenso wie für Studierende oder Senioren. Wo sehen Sie den größten Bedarf?

Der Bedarf ist sicher regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. In unserem unmittelbaren Betätigungsfeld ist es nach wie vor der klassische Wohnbau mit Wohnungen verschiedener Größe, von der Singlewohnung bis zur Familienwohnung mit Grundstücksanteil.

Daneben bestehen immer Schwerpunkte in der Nachfrage: Balkone bzw. Terrassen, Barrierefreiheit und gute Erreichbarkeit der lokalen bzw. regionalen Infrastrukturangebote.

Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung werden immer wichtiger. Wie spielt das bei Ihnen in neue Projekte oder aber auch in die Verwaltung hinein?

Zu dieser Frage kann ich auf die Ausführungen zu unserem obigen Projekt verweisen. Daneben wird natürlich der Bereich der Energieeffizienz immer wichtiger. Die Nutzung erneuerbarer Energien wird sicher auch im Wohnbau noch stärker zum Thema werden, ebenso wie die Möglichkeit der Nutzung von Car-Sharing-Systemen oder Bike-Sharing-Systemen.

Im Bereich der Verwaltung gilt es, Möglichkeiten zur Energieeinsparung immer im Auge zu behalten, sowohl im Bereich der Objekte selbst als auch im eigenen Wirkungsbereich. Wir versuchen im Bürobereich beispielsweise verstärkt auf Papier zu verzichten.


Spannende Wohnbauprojekte sowie Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung im Gemeinnützigen Wohnbau – darüber spricht ADir Helmut Krammer von der Brucker Wohnbau- und Siedlungsvereinigung im Interview.

ADir Helmut Krammer, Brucker Wohnbau- und Siedlungsvereinigung

Projekt Riverside der Brucker Wohnbau- und Siedlungsvereinigung
(Fotocredit: Arch. DI Markus Katzenberger)

Im Portfolio der Brucker Wohnbau- und Siedlungsvereinigung gibt es viele Projekte zu sehen –vom Bildungszentrum Traunkirchen, über Riverside, bis zum BWSG Innenhof und vielen weiteren. Auf welches Projekt oder welchen Bau sind Sie derzeit besonders stolz?

Aus meiner Sicht sind alle Projekte wichtig, ob betreutes Wohnen für die ältere Generation, ob Smart Kompakt Wohnen speziell für junges Publikum bis hin zum forstlichen Ausbildungszentrum in Traunkirchen. Vielleicht etwas Besonderes wird der erste achtgeschoßige Wohnbau aus Holz außerhalb von Graz sein, den wir in der Nähe des Brucker Bahnhofes realisieren werden.

Was macht dieses Projekt oder diesen Bau großartig?

Die Brucker Wohnbau und ihre Tochter, die ZUWO, setzen massiv auf die Holzbauweise. Mit dem Wohnbauprojekt in der Nähe des Brucker Bahnhofes realisieren wir erstmals einen achtgeschoßigen Wohnbau in Holz. Dabei ist es gelungen, auch in den Wohnungen erhebliche Teile der Holzkonstruktion sichtbar zu belassen. So sind einzelne Wände als Holzteile erkennbar.

Ob Familien, Studierende oder Senioren – die Gemeinnützigen bauen für jede Bevölkerungsgruppe. Wo sehen Sie den größten Bedarf?

Ich bin überzeugt, dass man alle Bevölkerungsgruppen beachten muss. Dies ist von Region zu Region unterschiedlich, sodass man von Projekt zu Projekt anders reagieren muss.

Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung werden immer wichtiger. Wie spielt das bei Ihnen in neue Projekte oder aber auch in die Verwaltung hinein?

Schon jetzt bauen wir rund 50 Prozent in Holzbauweise, um nachhaltige Baustoffe zu verwenden. Natürlich werden auch energetische Maßnahmen zur Schonung von Ressourcen ergriffen. So sind fast alle Neubauten aber auch bestehende Wohnhäuser an das Brucker Fernwärmenetz angeschlossen. Die Brucker Biofernwärme bezieht ihre Energie zum größten Teil aus der Abwärme der Industrie bzw. aus Hackschnitzeln. Zusätzlich wurden bereits fast alle bestehenden Gebäude der Brucker Wohnbau energetisch saniert.


Über ein großartiges Wohnbau-Projekt, den Bedarf an leistbarem Wohnraum in der Bevölkerung und die Bedeutung von Nachhaltigkeit im Gemeinnützigen Wohnbau spricht Gerhard Nopp von der Gemeinnützigen Grazer Wohnungsgenossenschaft im Interview.

Gerhard Nopp, Gemeinnützige Grazer Wohnungsgenossenschaft

Wohnbau-Projekt der GGW am Narzissenweg
Wohnbau-Projekt am Narzissenweg (Fotocredit: GGW)

Auf welches Ihrer Wohnbau-Projekte sind Sie besonders stolz? Und was macht dieses großartig?

Wir haben unser kleineres Wohnbau-Projekt in Deutschlandsberg am Narzissenweg mit einem neuen System (Prototyp) der Warmwasserbereitung mittels PV-Anlage ausgestattet. Die PV-Anlage speist direkt die Wasserboiler sodass ein Zukauf von Strom aus dem Netz nur in geringer Weise erfolgen muss. Die Betriebskosten sind damit auf ein Minimum reduziert und auch die Herstellkosten sind vergleichbar mit anderen Systemen. Die Anlage läuft seit 3 Jahren und wir haben nur die besten Erfahrungen damit gemacht. Zukünftig wollen wir dieses System in weiteren Bauvorhaben wieder einbauen.

Ob Familien, Studierende oder Senioren – die Gemeinnützigen bauen für alle. Bei welcher Bevölkerungsgruppe oder in welcher Region sehen Sie den größten Bedarf?

Wir sind wie die meisten Mitbewerber auch im Großraum Graz und im Speckgürtel von Graz tätig. Spezialisiert haben wir uns auf reinen Wohnbau. Betreutes Wohnen oder ähnliche Bauten haben wir derzeit nicht im Programm. Wir bauen in der Regel für alle Haushaltsgrößen. Der Bedarf ist unserer Erfahrung nach überall ähnlich. Es gibt keine Gruppe, die man hier herausnehmen kann. Wichtig ist, dass es leistbares Wohnen bleibt.
Und das ist nicht einfach. Die Grundstückskosten und auch die Baupreise sind extrem gestiegen. Es ist dadurch schwierig leistbares Wohnen noch anbieten zu können.

Dass die Baupreise oder die Grundstückspreise nach unten gehen werden, sehen wir in absehbarer Zukunft nicht. Das macht es schwer bis unmöglich geförderten Wohnbau mit den derzeitigen Bedingungen zu realisieren. Hier ist der Gesetzgeber gefordert. Zukünftig wird vielleicht verstärkt freifinanziert werden müssen, was schade ist.

Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung werden immer wichtiger. Wie spielt das bei Ihnen in neue Projekte oder aber auch in die Verwaltung hinein?

Das spielt zum Beispiel in das Projekt am Narzissenweg hinein. Da haben wir versucht – und das ist uns gut gelungen – ein System zu integrieren, das so wenig Energie wie möglich verbraucht. Aus Ressourcensicht versuchen wir immer, einfach zu bauen und doch so, dass wir den gewünschten Erfolg verzeichnen können.

Bei unseren Wohnbau-Projekten achten wir auf gute Bauqualität, weil das die Langlebigkeit der Gebäude garantiert.
Wir versuchen auch nicht übermäßig viel an Technik zu verwenden. Unser Motto ist dabei „So wenig Technik als möglich, aber doch so viel als nötig“ und da ist es seitens des Gesetzgebers wichtig, dass wir nicht zu viele Auflagen auferlegt bekommen. Zu viel Technik kann zu Problemen führen, vor allem im Hinblick auf die Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und Wartung. All das verursacht im Lebenszyklus der Immobilie Kosten, die der Mieter/Eigentümer wieder zu tragen hat.


Tolle Projekte, der Wohnbedarf der KundInnen, Ressourcenschonung im Gemeinnützige Wohnbau – darüber spricht Michael Moor von der GSL Gemeinnützige Bauvereinigung GmbH im Interview.

Michael Moor, GSL Gemeinnützige Bauvereinigung GmbH

Michael Moor, GSL Wohnen (Fotocredit: Kanizaj)
Michael Moor, GSL Wohnen (Fotocredit: Kanizaj)

Im Portfolio der GSL Gemeinnützigen Bauvereinigung GmbH gibt es viele Projekte zu sehen – von der Wagna Siedlungsstraße, Harb bei Graz bis zur Flurgasse 20 und viele weitere. Auf welches Projekt sind Sie besonders stolz?

Eine große Herausforderung war die Revitalisierung des Objektes in der Sackstraße 28. Auch das Projekt in der Flurgasse 20 bereitet uns viel Freude.

Was genau macht diese Projekte großartig?

In der Sackstraße 28 ist es in absoluter Innenstadtlage unter schwierigsten logistischen Voraussetzungen gelungen, ein denkmalgeschütztes Objekt zu revitalisieren und darin auch eine Kinderkrippe zu etablieren. Das Objekt Flurgasse 20 ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass auch anspruchsvollere Architektur zu günstigen Kosten umgesetzt werden kann.

Die Gemeinnützigen bauen für Familien ebenso wie für Studierende oder Senioren. Bei welchen Bevölkerungsgruppen oder in welchen Regionen sehen Sie den größten Bedarf?

Wir sehen weiterhin einen großen Bedarf an leistbaren Kleinwohnungen für Singles, Pärchen, AlleinerzieherInnen oder Senioren, die im Alter ihren Wohnbereich verkleinern wollen. Regional gesehen sind natürlich der Großraum Graz, der Raum Leibnitz und Leoben am stärksten nachgefragt.

Wie spielen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung bei Ihnen in neue Projekte oder aber auch in die Verwaltung hinein?

Bei neuen Projekten versuchen wir vorhandene Infrastruktur zu nutzen, die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz ist wichtig. Energieeffizientes Bauen ist schon durch die Vorgaben der Förderung ein wichtiger Punkt.


Herausragende Projekte. Der Wohnungsbedarf in der Bevölkerung. Die Rolle der Nachhaltigkeit im Gemeinnützigen Wohnbau. Darüber sprechen Maximilian Jäger und Stefan Baumgartner von der Gemeinnützigen Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft für Leoben und Umgebung.

Maximilian Jäger und Stefan Baumgartner, Gemeinnützige Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft für Leoben und Umgebung

Maximilian Jäger und Stefan Baumgartner, Gemeinnützigen Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft für Leoben und Umgebung, reg. Gen. m. b. H.
(Fotocredit: Gemeinnützigen Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft für Leoben und Umgebung, reg. Gen. m. b. H.)

Auf welches Projekt oder welchen Bau sind Sie derzeit besonders stolz?

Grundsätzlich sind wir auf alle unsere Projekte und Objekte sehr stolz. Denn jedes von ihnen stellt eine gewisse Einzigartigkeit dar.

Natürlich bleiben die letztübergebenen Objekte immer am meisten in Erinnerung. So zum Beispiel die 11 Wohnungen in der Robert-Koch-Gasse 14. Oder die in Bau befindlichen Projekte. Zum Beispiel der 1. Bauabschnitt Messegelände mit 34 Wohnungen. Oder der 1. Bauabschnitt Oberlandhalle mit 32 Wohnung (alle mit Tiefgarage).

Was ist das Besondere am Projekt Oberlandhalle?

Das Projekt Oberlandhalle (im Endausbau 142 Wohnungen) wird sicher ein spezielles Objekt. Gleich 2 Gemeinnützige Bauvereinigungen (SG Donawitz und SG Leoben) errichten und verwalten dieses. Die Planung und Architektur wurde mittels eines 2-stufigen Wettbewerbsverfahrens ermittelt.

Die Gemeinnützigen bauen für Familien ebenso wie für Studierende oder Senioren. Wo liegt Ihr Schwerpunkt?

Wir als Leobner Wohnbaugenossenschaft legen unser Hauptaugenmerk auf Sozialwohnungen für Familien. In Zukunft vielleicht vermehrt auch auf seniorengerechtes Wohnen. Aufgrund unseres regionalen Geschäftskreises konzentrieren wir uns im Raum Leoben und Umgebung auf diese Zielgruppen.

Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung werden immer wichtiger. Wie spielt das bei Ihnen in neue Projekte oder aber auch in die Verwaltung hinein?

Selbstverständlich sind dies Aspekte, die wir gemeinsam mit unserem baubetreuenden Partner, der SG Ennstal, in unsere Projekte einfließen lassen. Es wird immer mehr zur Herausforderung, diese Punkte mit leistbarem Wohnen in Einklang zu bringen.


Wolfram Sacherer von der Wohnbaugruppe ENNSTAL über besondere Projekte, den Wohnbedarf sowie die Rolle der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung im Gemeinnützigen Wohnbau.

Wolfram Sacherer, Wohnbaugruppe ENNSTAL

Wolfram Sacherer, Wohnbaugruppe ENNSTAL


(Fotocredit: Foto Fischer)

Auf welches Projekt Ihres Unternehmens sind Sie derzeit besonders stolz?

Da müssen wir eigentlich eine Vielzahl von Projekten aufzählen. Seit Jahren sind wir zum Beispiel Vorreiter im mehrgeschoßigen Holzbau, was uns mit Stolz erfüllt. Aktuell zählt dazu das Projekt in der Max-Mell-Allee. Der 4-geschoßige Holzbau wurde am Fuß des Rosenhains errichtet und bietet ein lichtdurchflutetes und modernes Zuhause für Familien ebenso wie für Einzelpersonen und Paare. Der Innenhof fördert das gute Miteinander – dieses ist uns, genauso wie die Nachhaltigkeit, ein zentrales Anliegen.

Die Gemeinnützigen bauen für Familien ebenso wie für Studierende oder Senioren. Wo sehen Sie den größten Bedarf?

Zum einem sind natürlich Graz und der sogenannte „Speckgürtel“ um Graz Gebiete, die einen enormen Bedarf an leistbarem Wohnraum haben. Hier sind einige Projekte der Wohnbaugruppe ENNSTAL bereits in Planung bzw. in Umsetzung – zum Beispiel in Reininghaus, Kalsdorf, Deutschfeistritz oder Frohnleiten. Zum anderen sehen wir es auch als unsere Verpflichtung, in strukturschwächeren Regionen Wohnraum zu schaffen und so unseren Beitrag zur Stärkung der Regionen zu leisten.

Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung werden immer wichtiger. Wie spielt das bei Ihnen in neue Projekte oder aber auch in die Verwaltung hinein?

Die Wohnbaugruppe ENNSTAL ist seit über 10 Jahren Klimaaktiv-Partner und Klimabündnisbetrieb und kann sich über zahlreiche Auszeichnungen in diesem Zusammenhang freuen. Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung spielen bei uns aus Überzeugung in alle Bereiche und Projekte hinein. Intern wird das mit einer eigenen Abteilung umgesetzt, die von der Errichtung unserer Wohnprojekte bis zur Bewirtschaftung auf Nachhaltigkeit achtet. Die Bandbreite reicht von der Heizungsoptimierung bis zur Fernüberwachung der Heizung und Solaranlagen. Auch für die kostengünstige Wartung der Heizungsanlagen durch hausinterne Mitarbeiter wird gesorgt.
Unsere Vorreiterrolle im Holzwohnbau unterstreicht ebenso unser Engagement in Sachen Nachhaltigkeit. Deutlich sichtbar beweisen das etwa die Projekte Max-Mell-Allee, die Hummelkaserne oder mineroom. Auch das Projekt Quartier SIEBEN in Reininghaus mit 206 Eigentums- und Mietkaufwohnungen ist ein Vorzeigeprojekt für modernen Holzbau im urbanen Raum.


Über besondere Projekte und nachhaltiges Bauen spricht BM Ing. Jürgen Posch von „Die Frohnleitner“, Gemeinnütziges steirisches Wohnungsunternehmen GesmbH.

BM Ing. Jürgen Posch, Die Frohnleitner, Gemeinnütziges Steirisches Wohnungsunternehmen GesmbH

BM Ing. Juergen Posch, Die Frohnleitner Gemeinnütziges steirisches Wohnungsunternehmen GesmbH

(Fotocredit: Florian Rogner)

Auf welches Projekt Ihres Unternehmens sind Sie derzeit besonders stolz und was dieses großartig?

Bei den fertig umgesetzten Bauten gibt es den Holzbau in Trofaiach mit 15 Wohneinheiten und in Vorbereitung das Projekt in Peggau am Ulmenweg.

Der Holzbau in Trofaiach steht mitten am Hauptplatz und wurde mit den örtlichen Firmen umgesetzt. Es ist nicht unser erstes Projekt im Holzbau. Wir sind hier Vorreiter. Das erste Holzbauprojekt entstand im Jahre 1998. Seither haben wir 23 Holzbauobjekte mit insgesamt 260 Wohneinheiten errichtet. Das besondere Merkmal für den Bau in Trofaiach, ist seine besondere Art der Holzdecke, die XC-Verbunddecke. Das ist eine Holzbetonverbunddecke, die bessere Dämmwerte erzielt. Weiter benötigt man keine abgehängte Gipskartondecke und kann die Holzdecke in Sicht lassen.

Peggau Ulmenweg ist ein großes Bauvorhaben mit ca. 73 Wohnungen, das aus einem geladenen Architektenwettbewerb mit dem Land Steiermark resultiert.

Die Gemeinnützigen Unternehmen bauen für Familien ebenso wie für Studierende oder Senioren. Wo sehen Sie den größten Bedarf?

Das ist schwierig an einer Gesellschaftsschicht festzumachen. Bei Jungfamilien gibt es einen größeren Bedarf aber genauso auch bei den Senioren. Jungfamilien benötigen günstigere Mieten. Projekte für Jungfamilien werden auch mit einem Sonderkontingent gefördert, dadurch werden die Mieten leistbar. Eine Voraussetzung ist, dass es keine Belastung durch Grundkosten gibt. Und das setzt wiederum voraus, dass es leistbare Grundstücke sind, dort, wo sich Jungfamilien niederlassen.

Die Notwendigkeit auf leistbare Grundstücke zurückgreifen zu können wird zukünftig für den Gemeinnützigen Wohnbau ein sehr wichtiges Thema sein. Es gibt verschiedene politische Ansätze, wie man das regeln kann. Bisher ist aber noch keiner umgesetzt. Ich glaube, in 2 Bundesländern läuft gerade ein Versuch, leistbare Grundstücke über die Raumplanung einzuteilen. Das wäre aus meiner Sicht sinnvoll für die Gemeinden und die Gemeinnützigen Wohnbauunternehmen, so günstige Grundstücke für den geförderten Wohnbau erhalten zu können.

Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung werden immer wichtiger. Wie spielt das bei Ihnen in neue Projekte oder aber auch in die Verwaltung hinein?

Das spielt bei der Sanierungsförderung insofern eine Rolle, als dass es Ökoanreizmodelle gibt. Das heißt, es wird so gebaut bzw. saniert, dass man nach dem Lebenszyklus des Baustoffes diesen auch wieder recyceln kann.

Im Neubau liegt der Fokus auf den Holzbauten. Die sind besser, da der Erstressourceneinsatz effizienter ist und bei einem Rückbau der Baustoff Holz auch besser zu verwerten ist. Zum Beispiel als Brennstoff. Da muss allerdings darauf geachtet werden, dass keine ineinander verklebten Verbundsysteme verwendet werden, da diese nur mit hohem Aufwand getrennt werden können bzw. als Restmüll entsorgt werden müssen.


Über aktuelle Herausforderungen und Wohntrends spricht Rudolf Haidenhofer von der Gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft der Arbeiter und Angestellten Kindberg im Interview.

Rudolf Haidenhofer, Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft der Arbeiter und Angestellten Kindberg

Vor welchen Herausforderungen steht die Siedlungsgenossenschaft Kindberg aktuell?

Eine aktuelle Herausforderung ist die Schere zwischen den Kosten und der Förderhöhe. Es wird immer schwieriger, Bauten umzusetzen, da die Bau- und Grundstückskosten stark steigen und Förder(ungen)sätze vom Land nicht erhöht werden.

Weiters ist die generelle Kostenlawine, auch in der Verwaltung, herausfordernd. U. a. sind das die Kosten, die durch die Prüftätigkeit des Verbandes anfallen. Dadurch wird es für uns teurer und schwer, die Kosten zu stemmen. Wir fahren an der Wirtschaftlichkeitsgrenze, das heißt, wenn wir nicht bauen, dann können wir nicht ausgeglichen bilanzieren. Helfen würde auch die Vereinfachung des Prüfungsprozesses.

Zusätzliche Erschwernis entsteht durch die komplizierten Bestimmungen der Datenschutzgrundverordnung. Das allgemeine Datenhandling ist dadurch schwierig und auch der Grenzgang beim Anbieten von Services. Auf der einen Seite brauche ich Daten der Eigentümer und Mieter, auf der anderen Seite ist es schwer zu wissen, ob man diese noch speichern darf. Man weiß aktuell nicht, wie sich das entwickelt.
Wünschenswert wäre es, hier eine rechtliche Sicherheit und mehr Beratung und Unterstützung vom Verband oder dem Land zu bekommen.

Wohnen unterliegt einem Wandel. Wie nehmen Sie die Veränderungen wahr?

Bei uns am Land sind die Änderungen nicht so gravierend. Nach wie vor ist geförderter, günstiger Wohnraum gefragt. Wir haben hier keine Auslastungsprobleme. Es sollten aber die Grenzen der subjektiven Förderfähigkeit überdacht werden.

Generell gibt es einen Wandel innerhalb der Genossenschaft. Überlegt wird, ob man sich am Sanierungssektor mehr engagiert und die Bausubstanz in den Zentren attraktiver macht. Das Zentrum der Städte soll wieder bewohnbar und leistbar sein. Hier gibt es schon Ansätze.

Spielt Digitalisierung im gemeinnützigen Wohnbau eine Rolle?

Gerade für eine kleine Genossenschaft ist es eine finanzielle Herausforderung das System auf digital umzustellen. Seit einem knappen Jahr habe ich das bei uns übernommen und bin dabei, soweit finanziell und zeitlich möglich, auch die Neubauten und den Bestand digital zu erfassen.
Das ist bei einer kleinen Genossenschaft eine große Herausforderung – Geräte, Sicherheit und Software müssen neu aufgebaut werden.

Welches Projekt war aus Ihrer sich ein ganz besonderes?

Die Sanierung eines Mehrfamilienwohnhauses in der Hammerbachgasse 33 in Kindberg war ein großes und erfolgreiches Projekt und generell die Neubauten. Auch Maisonettwohnungen, die gerade sehr gefragt sind, haben wir kürzlich erfolgreich übergeben. Wir bieten diese in einer Miet-Kauf-Variante an.


Wie verändert sich das Wohnen? Welche Rolle spielt Digitalisierung im gemeinnützigen Wohnbau? Diese und weitere Fragen beantwortet Joachim Egger von der „Leykam“ Gemeinnützige Wohn-, Bau- und Siedlungsgesellschaft m.b.H. im Interview.

Joachim Egger, „Leykam“ Gemeinnützige Wohn-, Bau- und Siedlungsgesellschaft m.b.H.

Vor welchen Herausforderungen steht die Leykam aktuell?

Wir müssen darauf achten, dass wir regelmäßig Bautätigkeit haben und dafür geeignete Grundstücke vorhanden sind. Die Herausforderung dabei ist, dass die Grundstücke vom Land Steiermark als förderungswürdig eingestuft werden. Wir haben derzeit rund 60.000 m² an Grundstücken, die nicht mehr förderungswürdig sind – sei es, weil der Nahversorger oder die Schule zu weit entfernt sind. Wenn die Distanzen zu weit sind, fehlt die entsprechende Basis für die Förderwürdigkeit, obwohl heutzutage jeder mit dem Auto zum Kaufhaus fährt.

Dann kann nur noch frei finanziert gebaut werden, was natürlich entsprechend teuer ist. Leider haben wir in diesen Wohnungen eine sehr hohe Fluktuation, weil die Wohnungen z. B. nach einer Trennung, für viele nicht mehr leistbar sind. Daher versuchen wir bei bestehenden Objekten zu verdichten bzw. neu zu bauen – was bei den Anrainern nicht immer auf Gegenliebe stößt.

In welchen Bereichen gibt es Veränderungen, auf die besonders geachtet werden muss?

Besonders ist der Bereich der Wärmedämmung, da sich die Vorgaben hier ständig verändern und auch weil sich der Bereich stark auf die Kosten schlägt.

Wohnen im Wandel – welche Veränderungen nehmen Sie wahr?

Wir bauen in letzter Zeit eher kleinere Wohnungen, weil sie billiger und damit auch leichter verwertbar sind. Durch unsere Nähe zu Graz haben wir kein Problem Wohnungen zu vergeben.

Spielt Digitalisierung im gemeinnützigen Wohnbau eine Rolle?

Wir nutzen die Digitalisierung z. B. zur Visualisierung von Objekten. So können Interessenten die Wohnungen bereits „besichtigen“ bevor sie überhaupt gebaut wurden.


Günter Haslebner von der Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft der Arbeiter und Angestellten Judenburg spricht im Interview über Wohnen im Wandel und Digitalisierung.

Günter Haslebner, Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft der Arbeiter und Angestellten Judenburg

Günter Haslebner, Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft der Arbeiter und Angestellten Judenburg
(Fotocredit: Foto Hruby Zeltweg)

Vor welchen Herausforderungen steht die Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft der Arbeiter und Angestellten Judenburg aktuell?

Das Problem ist, dass in unserer Region viele Wohnungen leer stehen und wir eigentlich verpflichtet sind, neue Wohnungen zu schaffen. Wir haben zwar kaum „Leerstände“, andererseits keine Interessenten bzw. Wohnungsanmeldungen für Neubauten. Wir sehen unsere Aufgabe aber auch darin, bestehende Gebäude zu sanieren und damit eine bessere Wohnqualität für unsere Mitglieder zu erhalten.

Derzeit läuft z. B. die Fassadensanierung beim Hochhaus in Judenburg inkl. Installation einer Gemeinschafts-Photovoltaik-Anlage. Aus Sicherheitsgründen mussten die Balkongeländer erneuert werden und aus ökonomischer Sicht werden die Balkonfüllungen durch PV-Platten ersetzt. Der daraus erzielbare Strom wird den Mietern kostenlos zur Verfügung gestellt. Das beschäftigt uns aktuell.

Wohnen im Wandel – wie nehmen Sie das wahr?

Der Trend zu mehr Wohnqualität bzgl. der Wohnungsausstattung steigt. Es gibt heute natürlich mehr Auswahl als noch vor vielen Jahren. Beim Bau unseres Hochhauses vor 55 Jahren ging es hauptsächlich darum, der Wohnungsnot entgegen zu wirken und die Wohnungssuchenden waren mit einer einfachen Ausstattung der Wohnung zufrieden. Heute müssen Parkettböden, Küchenblöcke etc. vorhanden sein.
Wir, als eine kleine Genossenschaft, bemerken im täglichen direkten Kontakt mit unseren Mitgliedern, dass ökologische Aspekte immer wesentlicher werden. Es besteht nicht nur der Wunsch „im Grünen“ zu wohnen, sondern auch die Erhaltung der Natur ist wichtig.

Spielt Digitalisierung zum Beispiel bei der Planung im gemeinnützigen Wohnbau eine Rolle?

Der Trend geht dahin, Baupläne zu digitalisieren, was auch die Einreichungen erleichtert. Aber in der Praxis ist es hilfreich, dass man sich die Konstruktionen auf einem gedruckten Papier vollständig ansehen kann.


Über aktuelle Projekte und Entwicklungen spricht ADir. Helmut Krammer, Brucker Wohnbau- und Siedlungsvereinigung, reg. gemeinnützige Gen.m.b.H. im Interview.

ADir. Helmut Krammer, Brucker Wohnbau- und Siedlungsvereinigung, reg. gemeinnützige Gen.m.b.H.

Projekt Riverside der Brucker Wohnbau- und Siedlungsvereinigung
Projekt: Riverside (Fotocredit: Arch. DI Markus Katzenberger)

Welche Themen beschäftigen die Brucker Wohnbau- und Siedlungsvereinigung aktuell?

Wir haben ein sehr umfangreiches Projektportfolio. Zum einen bauen wir sehr gefragte Wohnungen in Kapfenberg (Diemlach; „Riverside“), aber auch in St. Dionysen. Bald werden wir weitere Wohnungen in Kapfenberg, Kindberg und Bruck/Mur bauen. Zum anderen sind wir durch unsere Erfolge mittlerweile bei der Projektbetreuung außerordentlich gut ausgelastet. Unser Leuchtturm-Projekt in Traunkirchen/Oberösterreich (ca. 35 MEUR Bauvolumen in Eigenregie) dient uns als besondere Referenz, da wir damit zeigen konnten, dass man sehr wohl gut, schnell und auch günstig bauen kann.

Gibt es Trends/Entwicklungen im Bereich der Finanzierung, die Sie wahrnehmen?

Aufgrund der zu erwartenden Zinssteigerung versuchen wir, diese durch optimierte Finanzierungsmodelle langfristig zu entschärfen. Damit können wir einen großen Teil des aktuellen Zinsniveaus derzeit lukrieren, sind aber nach oben hin auch besser abgesichert. Die Folge dieser optimierten Finanzierung ist, dass wir bei höheren Zinsen – verglichen mit anderen – günstigere Mieten anbieten können.

Stichwort Mitspracherecht und Transparenz – Wie wichtig sind diese Aspekte für die Kunden?

Wir entwickeln gemeinsam mit der GEMYSAG Schirmitzbühel Nord mit ca. 200 Wohnungen, die von uns errichtet werden. Bei diesem Projekt erfolgt durch die Involvierung von nonconform (Wien) die Einbindung der Anrainer. Ziel dieses Bürgerbeteiligungsprozesses ist es, Konfliktpotenziale bereits vorab so stark zu reduzieren, damit alle Bewohner und Anrainer ein zufriedenes Zusammenleben erreichen können.

Kriterien wie umweltschonend und nachhaltig werden zunehmend wichtiger. Wie nehmen Sie diese Entwicklung bei Ihren Projekten wahr?

Nachhaltig ist für uns insbesondere der Bau mit Holz. Wir planen zum Beispiel auch den Bau eines achtgeschossigen Holzbaus, den ersten seiner Art in der Steiermark. Dieses Projekt ist schon so weit entwickelt, dass wir im nächsten Jahr den Spatenstich machen wollen.


Über Wohnen im Wandel und erfolgreiche Projekte spricht Mag. Peter Kormann von der Siedlungsgenossenschaft Donawitz gemeinnützige registrierte Wohnbaugenossenschaft m.b.H. im Interview.

Mag. Peter Kormann, Siedlungsgenossenschaft Donawitz gemeinnützige registrierte Wohnbaugenossenschaft m.b.H.

Wo liegen aktuell die Herausforderungen im Gemeinnützigen Wohnbau?

Die Einkommensgrenzen für die Förderungswürdigkeit wurden jahrelang nicht angepasst, dadurch wird der Kreis der möglichen Interessenten immer enger.
Die steigenden Qualitätsansprüche und die Auflagen der verschiedenen Behörden erschweren es kostengünstig zu bauen.

Wohnen im Wandel – Wie nehmen das die Donawitzer wahr?

Die zunehmende Mobilität vor allem junger Menschen, bedingt durch die Arbeitswelt, bringt einen häufigeren und rascheren Wohnungswechsel (Wohnungstourismus).

Welche erfolgreichen Projekte haben die Donawitzer im heurigen Jahr umgesetzt?

Ein 6-7 geschossiges Wohnhaus in Holzbau steht kurz vor der Übergabe in Leoben – Göss.


Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit? Welche Trends zeichnen sich bei Passiv- und Niedrigstenergiehäuser ab? Darüber spricht Dr. Klaus Feichtinger von der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft der ELIN GmbH im Interview.

Dr. Klaus Feichtinger, Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft der ELIN GmbH

Dr. Klaus Feichtinger, Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft der ELIN GmbH
(Fotocredit: Parlamentsdirektion PHOTO SIMONIS)

Die SG Elin gibt es seit 1950. Welche Veränderungen im gemeinnützigen Wohnbau sind Ihnen seither besonders aufgefallen?

Die Ansprüche der KundInnen haben sich speziell im Bereich Neubau mit der Zeit stark geändert. Ging es in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Gesellschaft vor allem um die Errichtung kostengünstiger Wohnungen, so ist in den letzten Jahren ein verstärkter Trend im Hinblick auf Lage, Wohnqualität und Ausstattung zu bemerken.
Daneben gibt es aber nach wie vor sehr viele Menschen, die sich aufgrund geringer verfügbarer finanzieller Mittel und steigender Kosten im Wohnbereich nach leistbarem Wohnraum im (teils renovierten) Altbestand umsehen.

Auf welche Weise haben sich die Bedürfnisse der Kunden verändert? Wie wichtig ist dabei das Thema Nachhaltigkeit?

Die Mobilität der KundInnen im Bereich Wohnen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Es gibt zwar noch immer Wohnungen, welche seit Jahrzehnten von denselben Personen bzw. Familien bewohnt werden, vor allem jüngere Menschen wechseln aber heutzutage häufiger den Wohnsitz, sowohl aus beruflichen als auch aus persönlichen Gründen. Bei jüngeren KundInnen steht daher bei der Erstwohnung oft die Höhe der Miete oder die Nähe zum Arbeitsplatz im Mittelpunkt, erst später werden andere Kriterien wichtiger.
Nachhaltigkeit steht oft erst in einem zweiten Schritt im Fokus, so zum Beispiel beim Bezug eines Neubaus oder einer Mietkaufwohnung, wo vor allem von jüngeren KundInnen schon verstärkt Wert auf Wärmedämmung, umweltschonende Heizsysteme, Barrierefreiheit und ähnliches gelegt wird.

Stichwort Passiv- und Niedrigstenergiehäuser: Welche Trends nehmen Sie im gemeinnützigen Wohnbau wahr?

Es hat sich aus unserer Erfahrung gezeigt, dass Menschen, die ganz bewusst in Passivhäuser einziehen und sich in ihrem Wohnverhalten auch an die technischen Gegebenheiten der Häuser anpassen, die besten Rückmeldungen über Wohnkomfort und Kostensituation geben.
Zieht ein Mieter/eine Mieterin eher „zufällig“ in eine Wohnung in einem Passivhaus, so fällt es manchem/r oft über geraume Zeit nicht leicht, die bestehenden Voraussetzungen mit seinem/ihrem persönlichen Wohnverhalten in Einklang zu bringen, was manchmal zu Unzufriedenheit und Frustration führt.
Trotz der laufenden Informations- und Beratungstätigkeit im Hinblick auf ein persönlich sinnvolles und damit kosteneffizientes Wohnverhalten muss man daher wohl auch zur Kenntnis nehmen, dass sich nicht alle Menschen in ein derart vorgegebenes Konzept einfügen wollen und im Bereich Neubau entsprechend darauf reagieren.


Über Veränderungen und Trends im Gemeinnützigen Wohnbau spricht BM Ing. Jürgen Posch von „Die Frohnleitner“ Gemeinnütziges steirisches Wohnungsunternehmen GesmbH.

BM Ing. Jürgen Posch, „Die Frohnleitner“ Gemeinnütziges steirisches Wohnungsunternehmen GesmbH

BM Ing. Juergen Posch, Die Frohnleitner Gemeinnütziges steirisches Wohnungsunternehmen GesmbH
(Fotocredit: Florian Rogner)

Welche aktuellen Themen beschäftigen „Die Frohnleitner“ im Moment?

Da gibt es einige Themen. Für unsere Kunden wollen wir leistbare Wohnungen in bestmöglicher Qualität schaffen. Deshalb sind wir immer gezielt auf der Suche nach passenden Grundstücken für unsere Projekte. Auch der Kundenservice ist für uns ein wesentlicher Bestandteil. Um zukünftig unsere Kunden noch besser beraten und unterstützen zu können, stellen wir derzeit unser EDV-System um.

Was uns darüber hinaus beschäftigt sind die laufenden gesetzlichen Neuerungen, die wir für unsere Mieter und Käufer berücksichtigen müssen. Auch Sanierungsarbeiten sind bei uns gerade Thema. Diese sind regelmäßig notwendig, zum Beispiel um Gebäudeleerstände zu vermeiden.

Auf welche Weise haben sich die Bedürfnisse der Kunden verändert?

Die Bedürfnisse der Kunden haben sich vor allem im Bereich der Wohnungsversorgung spürbar verändert. Früher war Wohnungsversorgung noch ein essenzielles Thema. Heutzutage setzen die Kunden verstärkt auf Wohnungsverbesserung.

Zudem werden Freiflächen und vor allem PKW-Stellplätze immer stärker nachgefragt. Ein eigener Garten, ein begrünter Balkon oder eine gemeinschaftlich nutzbare Freifläche und ausreichend Stellfläche für die eigenen und Besucher-Autos sind heutzutage besonders wichtige Themen.

Wie sieht es mit den Optionen Mietkauf, Miete oder Kauf aus? Gibt es eine Form, die bei den Kunden in den letzten Jahren zunehmend beliebter wurde bzw. eine, die an Beliebtheit verloren hat?

In diesen Bereichen hat sich nicht viel geändert, sie sind großteils gleich geblieben. Nur im Bereich des Mietkaufs werden die Kunden zunehmend kritischer und hinterfragen diesen immer häufiger. Beliebter hingegen könnten in den nächsten Jahren wiederum Eigentumserrichtungen werden.


Über aktuelle Herausforderungen bei den Sanierungen und die Trends im Bereich des Home & Green Service berichtet Dr. Petra Neuherz von der Gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft der Arbeiter und Angestellten Köflach.

Dr. Petra Neuherz, Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft der Arbeiter und Angestellten Köflach

Dr. Petra Neuherz, Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft der Arbeiter und Angestellten Köflach
(Fotocredit: Agathon Koren)

Welche Veränderungen im gemeinnützigen Wohnbau beschäftigen die Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft der Arbeiter und Angestellten Köflach aktuell?

Altbauwohnungen sind im ländlichen Bereich nur sehr schwer zu vermieten und stellen in Bezug auf die Leerstehungsproblematik ein großes Risiko für eine gemeinnützige Bauvereinigung dar. Mieter bevorzugen eine Neubauwohnung. Die Altbauten sind ein hoher Kostenfaktor im Bereich der Investitionskosten und können nicht immer barrierefrei saniert werden (Anbau eines Aufzuges).

Gibt es aktuelle Herausforderungen bei den Sanierungen?

Die größte Herausforderung ist das Erreichen der thermischen Mindestanforderungen. Der Heizwärmebedarf muss mindestens um mehr als die Hälfte reduziert werden.

Sind Eigentumswohnungen ein großes Thema?

Die Siedlungsgenossenschaft Köflach verkauft Eigentumswohnungen nur im Rahmen des Mietkaufmodells. Die Abwicklung des Mietkaufes ist sehr zeitintensiv und der Aufwand ist nur teilweise durch die Verrechnung einer 2%-igen Rücklagenkomponente gedeckt.

Welche aktuellen Trends gibt es im Bereich Ihres Home & Green Service?

Mieterinnen und Mieter haben meist keine Zeit den Winter- und Sommerdienst sowie Reinigungsarbeiten im Allgemeinbereich selbst durchzuführen. Daher nehmen sie vermehrt die Leistungen unsere Home & Green Services in Anspruch. Auch ein besseres Zusammenwohnen (Konfliktvermeidung) wird durch die Durchführung dieser Reinigungsdienste erzielt.


Wie haben sich Wohnbau-Projekte verändert? Was ist den Interessenten wichtig? Maximilian Jäger und Stefan Baumgartner von der Gemeinnützigen Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft für Leoben und Umgebung im Interview.

Maximilian Jäger und Stefan Baumgartner, Gemeinnützige Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft für Leoben und Umgebung

Maximilian Jäger und Stefan Baumgartner, Gemeinnützigen Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft für Leoben und Umgebung, reg. Gen. m. b. H.
01 (Fotocredit: Gemeinnützigen Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft für Leoben und Umgebung, reg. Gen. m. b. H.)

Gibt es aktuelle Themen oder Herausforderungen, die die Gemeinnützigen Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft für Leoben und Umgebung derzeit beschäftigen?

Wir sind bestrebt, schönen, modernen aber auch leistbaren neuen Wohnraum zu schaffen, bestehenden zu erhalten und zeitgemäß zu vermieten. Leerstehungsrisiken und Leerstandsverluste sind immer sensible Themen. Wir sind sehr bemüht – und das auch erfolgreich – diese so gering wie möglich zu halten und lediglich bei Mieterwechsel (Dauer der Brauchbarmachung ca. 1 Monat) Leerstehungskosten verbuchen zu müssen.

Inwiefern haben sich Ihre Wohnbau-Projekte in den letzten Jahren verändert?

Die Anforderungen und Auflagen im Bereich des Neubaus und der Sanierung sind in den letzten Jahren sehr gestiegen und dadurch auch die Baukosten. Auch die Ansprüche im Bereich der Sonderwünsche und Mehrausstattung haben sich geändert. Diese Veränderungen gilt es im weiterhin leistbaren Wohnen unterzubringen.
Aufgrund der Förderungsrichtlinien bzw. Förderungen haben sich auch die Mietpreise entsprechend nach oben verändert. Trotzdem sind wir im Vergleich zu privaten Anbietern noch leistbar.

Auf welche Weise haben sich die Bedürfnisse/Anforderungen der Kunden gewandelt?

Der Bereich Kundenservice ist in den letzten Jahren immer sensibler geworden. Die Anforderungen unserer Kunden an den Dienstleistungsbetrieb sind gestiegen. Aber wir erfüllen diese gerne.
Da wir ein relativ kleiner Bauträger sind und unsere meisten Objekte sich im Umkreis von 30 Kilometern befinden, ist die räumliche Nähe zu unseren Kunden gegeben. Das wird entsprechend genutzt, aber auch gewürdigt.


Über aktuelle Themen und Trends sowie Veränderungen im Mietbereich spricht Gerhard Nopp von der GGW (Gemeinnützige Grazer Wohnungsgenossenschaft) im Interview.

Gerhard Nopp, GGW

Gerhard Nopp, GGW (Fotocredit: GGW)
(Fotocredit: GGW)

Was ist für die GGW aktuell Thema?

Der Kostendruck – im Neubau sind es vor allem die Baukosten, die uns teilweise davonlaufen. Leistbares Wohnen zu bieten ist im Neubau wie auch im Bestand eine Herausforderung geworden. Denn der Erhaltungs- und Verbesserungsbeitrag im Bestand ist gesetzlich gedeckelt, aber damit findet man bei den umfangreichen Vorgaben kaum das Auslangen. Damit haben wir massiv zu kämpfen. Auch die Betriebskosten steigen stetig an.

Was tut sich im Mietbereich?

Mietwohnungen sind sicher unser Schwerpunkt und hier stellen wir einen Trend zum Wohnungswechsel fest – steigend in den letzten Jahren. Der Grund für die höhere Fluktuation liegt möglicherweise im größeren Angebot auf dem Markt. Bei Altbauwohnungen steigt außerdem die Forderung nach höherer Qualität, obwohl die Mieten günstiger werden sollen. Da geht es oft um Wünsche nach neueren Fliesen oder andere Ausstattungsmerkmale.
Die Ausstattung ist schon ein großes Thema, der Trend geht zu neueren Wohnungen – ältere sind schwerer zu vermitteln.

Spüren Sie die Nachfrage nach alternativen Energien und nachhaltiger Bauweise im gemeinnützigen Wohnbau?

Passivhäuser wurden bei uns auch gebaut, aber unsere Kunden fragen nach Lage, Preis und Parkplätzen. Nach Photovoltaik und Co. wird eher nicht gefragt, im Gegensatz etwa zur Massivbauweise, die für manche schon eher ein Thema ist.


Wie haben sich Kundenbedürfnisse verändert? Und wie der gemeinnützige Wohnbau? Im Interview dazu Michael Moor von GSL Wohnen in Graz.

Michael Moor, GSL Wohnen

Michael Moor, GSL Wohnen (Fotocredit: Kanizaj)
(Fotocredit: Kanizaj)

Welche Veränderungen im gemeinnützigen Wohnbau nimmt die GSL wahr?

Veränderungen sind im Bereich der Förderung bemerkbar. Da das Fördersystem umgestellt wurde, stehen hier weniger Mittel zur Verfügung, welche künftig noch weiter gekürzt werden sollen. Hinsichtlich der technischen Auflagen der Förderung gibt es hingegen positive Veränderungen: Vor allem durch Vereinfachungen dieser Auflagen sollen Kostenreduktionen erreicht werden.

Auf welche Weise haben sich die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden verändert?

Der Trend geht klar in Richtung leistbares Wohnen. Hierbei steht vor allem die Frage nach dem absoluten monatlichen Betrag, der für das Wohnen ausgegeben werden kann, im Vordergrund. Dieses Thema hat einen höheren Stellenwert als etwa die Frage nach der Lage. In Zusammenhang mit der sozialen Struktur ist auch der Wunsch nach kleineren und leistbaren Wohnungen, in Form von Pärchen-Wohnungen oder Single-Wohnungen, stark gestiegen.
Wichtig ist auch die Anbindung der Wohnungen an den öffentlichen Verkehr. Die Nachfrage nach guten Verkehrsanbindungen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.


Über die Trends im gemeinnützigen Wohnbau und aktuelle Herausforderungen spricht Hans-Peter Korntheuer von der GEMYSAG aus Kapfenberg im Interview.

Hans-Peter Korntheuer, GEMYSAG

Hans-Peter Korntheuer, Gemysag
Hans-Peter Korntheuer, GEMYSAG

Die GEMYSAG gibt es seit 1938. Wo liegen aktuell die Herausforderungen für das Unternehmen?

Bei der Finanzierung und Förderung, denn es wird jedes Jahr schwieriger, leistbare Mieten zu gewährleisten. Und die Grundstückspreise sind gerade bei Projekten in Graz eine Herausforderung. Unser Schwerpunkt liegt in Kapfenberg, wo das ebenso – wenn auch nicht im gleichen Ausmaß – ein Thema ist.

Was sind die Trends im gemeinnützigen Wohnbau?

Schon seit vielen Jahren gibt es wegen der steigenden Zahl an Single-Haushalten den Trend zu kleinen Wohnungen. Größere Wohnungen mit über 80-90 Quadratmeter sind aus Gründen der Leistbarkeit für Wohnungssuchende oft uninteressant. Hingegen 65-70 Quadratmeter sind Wohnungsgrößen, die sehr stark nachgefragt werden, ebenso 45-55 Quadratmeter. Wobei es bei den kleinen Wohnungen immer den Wunsch nach einem getrennten Schlafzimmer gibt und das ist mit guter Planung auch machbar.

Die Top 3 der Kundenwünsche?

Leistbarkeit ist ein wichtiges Thema für die Kunden, außerdem Infrastruktur wie öffentliche Anbindung und Nahversorger. Bei den Wohnungen selbst sind Balkon und Abstellplatz ebenfalls für viele quasi ein „Muss“ geworden. Im Segment der Eigentumswohnungen spielt die Mitgestaltung eine große Rolle. Die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner wollen die Böden mitaussuchen können, entscheiden, ob sie eine Badewanne oder Dusche wollen und Ähnliches.


Ihre Forderungen an die neue Bundesregierung und die Stadtentwicklung in Graz-Reininghaus – die Themen im Kurzinterview von Jürgen Dumpelnik und Christian Horner, Geschäftsführer der BWSt.

Jürgen Dumpelnik und Christian Horner, BWSt

Jürgen Dumpelnik und Christian Horner (v. l.), BWSt
Jürgen Dumpelnik und Christian Horner (v. l.), BWSt

Was sind die großen Veränderungen der letzten Jahre?

Dumpelnik: Der Wohnungsbedarf ist in den letzten 5 Jahren enorm gestiegen. Gleichzeitig müssen die Österreicher immer mehr von ihrem Einkommen fürs Wohnen aufwenden. Die Schere zwischen freifinanziertem und gefördertem Wohnbau ist größer geworden.

Horner: Dabei ist der gemeinnützige Wohnbau ein Erfolgsmodell, um das uns andere Länder beneiden. Es braucht neben Förderungen dazu ein Commitment zur verfassungsrechtlichen Absicherung der Gemeinnützigkeit durch den Gesetzgeber.

Wo sehen Sie die Herausforderungen?

Dumpelnik: Ein wesentlicher Punkt sind die Grundstückspreise. Gerade in den Ballungsräumen ist das unter dem Aspekt der sozialen Verträglichkeit sehr schwierig geworden.

Horner: Wichtig ist vor allem, dass man die soziale Durchmischung beibehält. Eine lebendige und moderne Stadt wie Graz ist davon abhängig und auch die hohe Lebensqualität. Das ist für mich auch eine Forderung an unsere neue Bundesregierung!

Dumpelnik: Als Gemeinnützige beteiligen wir uns zum Beispiel gerne an den öffentlichen Ambitionen, den neuen Stadtteil Reininghaus zu entwickeln. Aber dafür braucht es dort auch Förderungen, um die soziale Durchmischung zu gewährleisten, damit kein Stadtteil für Besserverdienende entsteht. Ebenso wichtig für die schnell wachsende Stadt ist, dass alles mitwächst – wir orten einen Infrastrukturbedarf in Graz.

Was waren die großen Erfolge der BWSt im heurigen Jahr?

Horner: Wir haben Baubescheide für etwa 800 Wohneinheiten erreicht. Da sind große Projekte wie Alte Poststraße und Eggenbergergürtel dabei und Reininghaus, wo wir 2018 mit dem Bau beginnen.

Dumpelnik: Erfolgreich läuft auch die Zusammenarbeit unter den Gemeinnützigen. Wir gehen Schulter an Schulter vor und das ist eine wichtige Dimension unseres Tuns.


Herbert Katzmann, OWG

Wie hat sich der Wohnbedarf verändert? Worauf legen die Interessenten besonderen Wert? Herbert Katzmann von der OWG im Kurzinterview.

Herbert Katzmann, OWG
Herbert Katzmann, OWG

Bauen in der Obersteiermark – wo liegen aktuell die Herausforderungen?

Grundstücke gibt es in der Obersteiermark genug, aber ein passendes Preis-Leistungsverhältnis zu schaffen ist die große Herausforderung. Aus diesem Grund wird der überwiegende Teil auch im geförderten Wohnbau errichtet. Dieser Bereich wird forciert, da die Kosten im freifinanzierten Wohnbau einfach zu hoch wären. Außerdem wird in der Obersteiermark aus diesem Grund auch sicher bodenständiger und praktischer gebaut und weniger Wert auf architektonische Besonderheiten gelegt.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren beim Wohnbedarf verändert?  

Wir verzeichnen weniger Einwohner in der Obersteiermark und parallel dazu weniger Bewohner pro Wohneinheit. Waren es vor Jahren noch durchschnittlich 3 Bewohner pro Einheit, so kommen wir jetzt nur auf einen Schnitt von 1,2. Die Familiengröße hat abgenommen und die Zahl der Single-Haushalte wächst.

Schwerpunkt der OWG sind Mietwohnungen. Worauf legen Interessenten besonderen Wert?

Wesentlich ist den Bewohnerinnen und Bewohnern eine gute infrastrukturelle Anbindung mit Kindergarten, Schule und Nahversorgern in der Nähe. Reihenhäuser mit eigenem Grünraum sind natürlich sehr gefragt. Ältere Personen suchen neben der Barrierefreiheit bewusst die Zentrumsnähe; sie wollen, dass in der Gegend etwas los ist.


Christian Krainer, ÖWG

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Credit: Fotograf Jorj Konstantinov

Wo liegen die aktuellen Herausforderungen im gemeinnützigen Wohnbau?

Das gemeinnützige Wohnungswesen ist der stabilisierende Faktor für Leistbarkeit in Österreich. Mehr als 130.000 Wohnungen in der Steiermark sichern Mietpreise, die im Schnitt zwischen 15-20% günstiger sind, als am freien Markt. Das Bekenntnis der Politik darf daher nicht nur ein Lippenbekenntnis bleiben sondern muss in konkreten finanziellen Förderungen sichtbar gemacht werden. Nicht nur eine neue, 2020 in Kraft tretende, Landesförderung kann daher unseren Menschen helfen sondern auch die Anpassung der Rückzahlungsmodalitäten alter teurer werdender Fördersysteme. Einzig die Landesbudgets sehen hier immer weniger Gelder vor!

Wie haben sich die Wohnbauprojekte in den letzten 10 Jahren verändert?

Eine regionale Unterschiedlichkeit ist stark bemerkbar. Der Zuzug in urbane Räume erfordert Schnelligkeit in der Bauabwicklung. Die Wohnungsgrößen werden durch teure Auflagen zunehmend kleiner, um die Leistbarkeit sicherzustellen. Die Nachfrage nach Mietwohnungen nimmt zu, da sich viele Bewohner Anzahlungen auf Grundstückskosten nicht mehr leisten können. Ausufernde Preisvorstellungen der Verkäufer machen selbst „schlechtere Lagen“ für einen Ankauf unmöglich. Dennoch ist der Wunsch nach Eigentum so hoch wie selten zuvor. In ländlichen Gegenden hängt die Nachfrage stark von vorhandenen Infrastrukturen ab. Die Gemeinnützigen stellen aber gerade am Land auch den Wohnbau sicher.

Hausbetreuung im Wandel – wie nehmen Sie das bei ÖWG Wohnbau wahr?

Als Hausverwalter kann ich sagen, dass der Kunde immer fordernder wird und gleichzeitig wenig Eigenverantwortung übernehmen möchte. Konflikte werden lieber über Rechtsanwälte ausgetragen als in einem konkreten Gespräch „das was bewegt“ anzusprechen. In ÖWG Wohnbau haben wir im Hausmanagement seit 7 Jahren eine eigene „Hausmeisterei“. Diese wird sehr gut wahrgenommen, unsere Bewohner schätzen den direkten und täglichen Kontakt mit dem Hausbetreuer als Mitarbeiter von ÖWG Wohnbau. Daraus ergeben sich positive Wahrnehmungen, weil kleinere oder auch größere Probleme der Bewohner umgehend Vorort bearbeitet und damit erledigt werden können.


 

Wolfram Sacherer, Wohnbaugruppe

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Credit: Fotograf Jorj Konstantinov

Welche Themen beschäftigen die Wohnbaugruppe aktuell?

Leistbaren qualitativ hochwertigen Wohnraum zu schaffen ist nach wie vor das Thema Nummer eins. Gerade in urbanen Gebieten sind hier die steigenden – teilweise fast utopischen – Grundstückspreise ein unberechenbarer Kostentreiber zu Lasten unserer Kundinnen und Kunden. Dem kann man nur entgegenwirken, wenn die Politik endlich die –  seit Jahren geforderten – Vorbehaltsflächen im Flächenwidmungsplan für den gemeinnützigen Wohnbau gesetzlich verankert.

Wie haben sich die Bedürfnisse und Erwartungen der Kundinnen und Kunden in den letzten Jahren verändert?

Viele unsere Kunden legen Wert auf qualitativ hochwertige Wohnungen mit modernen Grundrissen gepaart mit einer ökologischen Bauweise. Auch im Bereich der Hausverwaltung sind die Kunden immer anspruchsvoller geworden und so versuchen wir sowohl durch den persönlichen Kontakt als auch unter Einsatz modernster Technologien den Kunden ein breites Spektrum an Kundenservice zu bieten. Dies beginnt bei der personalisierten Jahresabrechnung und der Online-Belegeinsicht und geht hin bis zum digitalen Schwarzen Brett, das für jeden Kunden seine maßgeschneiderten Informationen (z.B. Abfahrtszeiten des Nahverkehrs, Ansprechpartner, Notfallnummern) bereithält.

Der „Hausbesorger“ ist heute nicht mehr so selbstverständlich – wie nehmen Sie das bei der Wohnbaugruppe wahr?

Die Anzahl der klassischen Hausbesorger ist deutlich rückläufig. Gerade im nachbarschaftlichen Miteinander versuchen wir – mit Unterstützung des vom Land Steiermark und den GBV ins Leben gerufenen Servicebüro zusammen>wohnen<  –  mit eigenem geschulten Personal diese Lücke professionell zu schließen. So bieten wir kostenlos neben einer Siedlungsbetreuung in großen Wohnanlagen auch Mediation durch unser Mediatorenteam für unsere Kunden an.