Wohnblicke – das aktuelle Interview

Über die Trends im gemeinnützigen Wohnbau und aktuelle Herausforderungen spricht Hans-Peter Korntheuer, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Mürz-Ybbs Siedlungsanlagen GmbH, aus Kapfenberg im Interview.

Hans-Peter Korntheuer, GEMYSAG

Fotocredit: Korntheuer

Auf welches Projekt/Objekt Ihres Unternehmens sind Sie derzeit besonders stolz?Hans-Peter Korntheuer, GEMYSAG

Gemeinsam mit einem Architekturbüro haben wir kürzlich einen Beteiligungsprozess für eine bestehende Siedlung begonnen. Die 715 Wohnungen, mit durchschnittlich 49 Quadratmetern Wohnfläche, wurden bereits Anfang der 40er Jahre erbaut. Kein Wunder also, dass hier nicht mehr alles dem heutigen Standard entspricht. So gibt es beispielsweise nur sehr wenige Wohnungen mit Balkonen und auch die Parksituation ruft nach einem geeigneten Konzept.

Was macht dieses Projekt großartig?

Das ist natürlich auf der einen Seite die Herausforderung des Projekts – es werden ja alle Bewohnerinnen und Bewohner während des gesamten Sanierungsprozesses in ihren Wohnungen bleiben.

Auf der anderen Seite ist es das Miteinbeziehen der Bewohnerinnen und Bewohner in das Konzept, die Siedlung gemeinsam in die Zukunft zu führen. Wie schon erwähnt, werden wir auf den Wunsch nach dem Bau von Balkonen – wo auch immer es (wirtschaftlich) möglich ist – ebenso eingehen, wie auf die derzeit unzufriedenstellende Parksituation.

Weiters stehen hier und da auch Wohnungszusammenlegungen im Gespräch, um geeigneten Wohnraum für Familien zu schaffen. Bislang liegt der Anteil der Single- und 2-Personen-Haushalte bei rd. 86 Prozent.

Darüber hinaus werden wir unser ehemaliges Bürogebäude, das auf dem Gelände der Siedlung liegt sowie ein benachbartes, altes Gebäude, das bereits leer steht, abreißen und auf dieser Fläche 21 Wohnungen errichten – mit Lift und allen Annehmlichkeiten einer modernen Wohnanlage.

Die Gemeinnützigen bauen für Familien ebenso wie für Studierende oder Senioren. Wo sehen Sie den größten Bedarf?Was macht dieses Projekt großartig?

Den größten Bedarf sehe ich im altersgerechten Wohnen – damit meine ich nicht unbedingt betreutes, aber auf alle Fälle barrierefreies Wohnen.

Als größter Gemeinnütziger Wohnungsanbieter in Kapfenberg verfügen wir über eine Vielzahl von Wohnungen, die diesem Kriterium nicht entsprechen. Dazu muss man wissen, dass rd. 40 Prozent unserer Wohnungen in den 1950er Jahren oder davor erbaut wurden. Damals war Barrierefreiheit noch nicht wirklich ein Thema. Es geht nun darum, dies nicht nur bei Neubauten zu berücksichtigen, sondern auch den Bestand altersgerecht auszuführen bzw. zu adaptieren, wo es möglich und sinnvoll ist.

Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung werden immer wichtiger. Wie spielt das bei Ihnen in neue Projekte oder aber auch in die Verwaltung hinein?

Das Thema spielt selbstverständlich auch bei uns auf vielen Ebenen eine Rolle. Vor allem bei den Heizsystemen legen wir großen Wert auf Nachhaltigkeit. Wir setzen hier in erster Linie auf Nahwärme (mit erneuerbarer Energie) und wenn möglich Wärmepumpen.

Auch bei den Baustoffen greifen wir, sofern leistbar, auf ökologische Materialien zurück.

Derzeit läuft zudem ein Wettbewerb über ein größeres Grundstück, das einen Mobilitätsknoten mit Elektro-Bussen, E-Lastenrädern und E-Autos vorsieht. Und auch bei der Anschaffung unseres neuen Firmenwagens im kommenden Jahr werden wir einem E-Auto den Vorzug geben.

Natürlich wurde unser neues Bürogebäude bereits nach neuesten ökologischen Standards errichtet. Über eine Grundwasserwärmepumpe wird ebenso geheizt wie im Sommer gekühlt. Die bereits vorhandene Photovoltaik-Anlage wurde heuer erweitert.

Und auch beim Papier achten wir sorgsam auf einen sparsamen Verbrauch – das geht sogar bis zur Weihnachtspost, die nur noch digital versendet wird.